Thema des Tages
13.01.2019

Skiausflug in den Tod

Von Matthias Röder, dpa

Lech (dpa) - Seit Tagen schneit es fast ohne Pause in den Alpen. Eine kurze Wetterberuhigung am Samstag wollen vier Freunde aus dem Raum Biberach in Schwaben (Baden-Württemberg) nutzen. Sie trauen sich auf eine extrem steile Abfahrt im österreichischen Lech.

Die sonst präparierte Piste ist aber gesperrt. Der Ausflug wird mindestens drei der Männer zum Verhängnis. Die Suche nach dem vierten Verschütteten (28) ist wegen starken Schneefalls am Sonntag nicht möglich. Fragen und Antworten zu einem der schwersten Lawinenunglücke dieses Winters:

Wo hat sich das Unglück ereignet?

Die Skifahrer im Alter von 28, 32, 36 und 57 Jahren waren offenkundig auf der Route «Langer Zug» am Rüfikopf unterwegs. Eine Abfahrt, die laut Warntafel keine Fahrfehler verzeiht - sie gilt als eine der zehn steilsten der Welt. Am Start geht es auf rund 850 Metern Strecke 400 Höhenmeter bergab. Schon unter besten Bedingungen ist das nur Könnern zu empfehlen.

Wie hatten sich die Skifahrer vorbereitet?

Alle vier hatten laut Behörden eine komplette Notfallausrüstung dabei. Dazu gehört ein Peilsender für Verschüttete, eine Sonde zur etwaigen Suche im tiefen Schnee, eine Schaufel und vor allem ein Rucksack mit Lawinenairbag. Der Airbag soll dafür sorgen, dass bei einem Lawinenabgang Skifahrer nicht allzutief verschüttet werden, sondern an der Oberfläche praktisch mit den Schneemassen mitschwimmen können. In diesem Fall war der Airbag jeweils aufgegangen - aber ohne rettende Wirkung.

Sind die aktuellen Opfer mit ihrer Risikobereitschaft eine Ausnahme?

Nein. Immer wieder werden die Appelle ignoriert, angesichts der Lawinengefahr auf präparierten Pisten zu bleiben. Nach Einschätzung des Bürgermeisters von Lech, Ludwig Muxel, trägt das Vertrauen in die Ausrüstung dazu bei. Aber auch die beste Ausrüstung ist bei diesen Naturgewalten nicht immer in der Lage, Menschenleben zu retten. Unterschätzt wird vor allem Lawinenwarnstufe 3 (erhebliche Gefahr) auf der fünfstufigen Skala. Stufe 3 herrschte am Samstag am Arlberg.

Wie lange kann man in einer Lawine überleben?

In den ersten 15 Minuten sind die Überlebenschancen noch recht groß - vorausgesetzt, der Skifahrer ist von den Schneemassen nicht schon gegen Bäume oder Felsen geschleudert worden. Jede Minute später sinkt die Wahrscheinlichkeit für ein gutes Ende. Viele Opfer ersticken unter den extrem verdichteten Schneemassen, die wie Beton auf den Verunglückten lasten.

Was sind die Verhaltensmaßregeln bei einem Lawinenabgang?

Die Stöcke wegwerfen und um jeden Preis versuchen, mit Schwimmbewegungen nahe der Oberfläche zu bleiben. Schließlich mit den Händen um Mund und Nase einen zumindest kleinen Atemraum bilden.

Sind Lawinen in den Alpen die tödlichste Gefahr?

Definitiv nicht, zumindest wenn man das gesamte Jahr betrachtet. Nach aktuellen Zahlen des Kuratoriums für alpine Sicherheit sind in den österreichischen Alpen im vergangenen Jahr 268 Menschen tödlich verunglückt. Beim Wandern und Bergsteigen starben 88 Menschen, auf Skirouten und Pisten - also im gesicherten Skiraum - kamen 30 Sportler ums Leben. Im Sommer starben auf den Bergen doppelt so viele Menschen (128) wie im Winter (63).

Gab es auch prominente Lawinenopfer?

Die niederländische Königsfamilie verbringt ihren Winterurlaub seit Jahrzehnten in Lech. 2012 wurde Prinz Friso, der Bruder des jetzigen Königs Willem-Alexander, von einer Lawine verschüttet und erlangte nie wieder das Bewusstsein. Friso starb im August 2013 im Palast seiner Mutter in Den Haag.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation