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19.07.2019

Bundesländer streiten lautstark über Einheits-Abitur

Berlin/München/Düsseldorf (dpa) - In der Diskussion über ein einheitliches Abitur in Deutschland sind sich Bayern und Nordrhein-Westfalen in die Haare geraten. Der in NRW geborene FDP-Chef Christian Lindner sprach sich am Freitag für ein Zentralabitur aus.

Er halte den Bildungswettbewerb zwischen 16 Bundesländern, so wie er praktiziert werde, für aus der Zeit gefallen, sagte Lindner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Eine böse Spitze kam daraufhin aus Bayern - der Freistaat ist gegen ein Zentralabitur.

«Dass Christian Lindner ein Zentral-Abi fordert, ist verständlich, denn er selbst hat ja NRW-Abi», sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume der Deutschen Presse-Agentur. «Wir wollen die beste Bildung für unsere Schüler und keinen deutschen Durchschnitt. Wir sind für Leistung und Wettbewerb und gegen sozialistische Gleichmacherei.»

Der Bayern-Spott wiederum brachte Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf die Palme. «Trotz eines bayerischen Abiturs scheint Herr Blume nicht vor Hochmut gefeit zu sein», keilte sie aus Düsseldorf zurück. Gebauer forderte eine Entschuldigung des Generalsekretärs bei den rund 75.000 Schülerinnen und Schülern, die jährlich in NRW ihr Abitur ablegten und nun von Blume «in dieser Art und Weise diskreditiert» würden.

Die Debatte über ein einheitliches Abitur in Deutschland läuft seit Jahren und war im Frühjahr wieder neu in Gang gekommen, nachdem Schüler sich über zu schwere Mathe-Aufgaben in den Prüfungen beschwert hatten. Seitdem gibt es immer neue Wortmeldungen zu dem Thema.

Nach Ansicht des Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK), Alexander Lorz, ist ein Zentralabi keine Lösung. Der CDU-Politiker und hessische Bildungsminister warnte davor, mit der Forderung nach einem Zentralabi unrealistische Erwartungen zu wecken. Zur Ehrlichkeit in der Debatte gehöre auch, dass die Abiturnoten zwar so vergleichbar wie möglich sein sollten, «aber das wird man wohl nicht mit letzter Perfektion hinbekommen», sagte Lorz.

Lorz ist in diesem Jahr Vorsitzender der KMK, in der die Bildungsministerinnen und Minister der Länder zusammenarbeiten. Man habe in der KMK in den vergangenen Jahren bereits massive Anstrengungen zur Vereinheitlichung des Abiturs unternommen, sagte er. «Der (...) von allen Ländern genutzte gemeinsame Abituraufgabenpool, aus dem die Länder Aufgaben für das schriftliche Abitur entnehmen, hat sich bewährt.» Die Aufgaben hätten vergleichbare Anforderungen und müssten deshalb nicht zwingend identisch sein. Es brauche Zeit, bis der Aufgabenpool seine Wirkung entfalten könne.

FDP-Chef Lindner hatte gesagt, es müssten endlich gemeinsame Bildungsstandards umgesetzt werden, dabei könne ein Zentralabitur ein Element sein.

Auch OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher hatte sich mit deutlichen Worten für ein Zentralabi ausgesprochen: «Ein Abitur auf Landesebene macht genauso wenig Sinn, wie dass jeder Provinzfürst seine eigene Währung druckt», sagte er vor wenigen Tagen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Denn am Ende bewerben sich die Schüler um die gleichen Hochschulen und Ausbildungsplätze.» Die OECD organisiert unter anderem die internationale Schul-Vergleichsstudie Pisa.

Pro Zentralabi hatte sich auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) geäußert. Rückendeckung bekam sie dafür von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Die stellvertretende Chefin der Linken, Martina Renner, sagte der dpa am Freitag: «Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass es noch Abiturprüfungen gibt, die nicht bundesweit gleichwertig anerkannt sind». Die Bildungshoheit der Bundesländer sorge Jahr für Jahr für Unmut und gehe zulasten der Schüler.

Bildung ist in Deutschland Ländersache. Würde man das ändern wollen, wäre eine Grundgesetzänderung mit Zweidrittel-Mehrheiten in Bundestag und Bundesrat notwendig - die gibt es nicht.



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