Brennpunkte
17.07.2017

Nur wenige Langzeitarbeitslose finden regulären Job

Von Basil Wegener, dpa

Berlin (dpa) - Langzeitarbeitslose finden in Deutschland nur selten einen neuen, regulären Job. Bei den Betroffenen, die im vergangenen Jahr ihre Arbeitslosigkeit beenden konnten, war nur in rund jedem achten Fall eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt der Grund.

Dies geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorlag.

Sozialverbände forderten von den Parteien zur Bundestagswahl wirkungsvolle Schritte gegen die Langzeitarbeitslosigkeit. Viele Betroffene fielen aufgrund von Krankheit, Rente oder Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen aus der Statistik. Insgesamt gab es im Durchschnitt des vergangenen Jahres 993 073 Langzeiterwerbslose. 12,2 Prozent nahmen eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt auf. 17,3 Prozent wurden wegen Arbeitsunfähigkeit aus der Statistik gestrichen. Für Kurzzeiterwerbslose, die weniger als zwölf Monate arbeitslos waren, war 2016 in fast jedem dritten Fall eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt der Grund für die Beendigung der Arbeitslosigkeit.

Die Linke-Vize-Fraktionsvorsitzende Sabine Zimmermann sagte, die Gründe, warum Langzeiterwerbslose nicht mehr als arbeitslos gezählt werden, seien nur zu einem kleinen Teil auf eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt zurückzuführen. «Die Bundesregierung muss endlich die Realität zur Kenntnis nehmen und deutlich mehr für die vielen langzeiterwerbslosen Menschen tun.» So müsse ausreichend Geld zur Unterstützung und für gute öffentlich geförderte Beschäftigung zur Verfügung gestellt werden.

Insgesamt gibt es bei der Langzeitarbeitslosigkeit einen Abwärtstrend. So lag die Zahl der Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, im Mai bei 910 000 - 97 000 weniger als vor einem Jahr. Den Betroffenen fehlt es laut BA häufig an der nötigen Ausbildung. Viele Langzeitarbeitslose wollten daher eine Stelle als Hilfskraft. Nur 17 Prozent der Jobs, die der BA gemeldet werden, sind Helferberufe.

Der Sozialverband VdK Deutschland forderte ein nachhaltiges Konzept für mehr Chancen von Langzeitarbeitslosen. «Weiterbildungsprogramme, die insbesondere die individuelle Situation von gering Qualifizierten berücksichtigen, müssen ausgebaut werden», sagte Vdk-Präsidentin Ulrike Mascher der dpa. Notwendig sei ein öffentlich geförderter Arbeitsmarkt mit tariflich entlohnten, abgesicherten Arbeitsplätzen.

Der AWO-Präsident Wilhelm Schmidt sagte: «Die guten Arbeitsmarktzahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es viele verfestigte Arbeitslosenverhältnisse gibt, gegen die etwas getan werden muss.» Laut BA waren im Juni 2,473 Millionen Menschen ohne Job. Das war der niedrigste Wert in dem Monat seit 1991. Die AWO sieht die Lösung für die Abgehängten darin, Beschäftigung öffentlich zu fördern und damit einen sozialen Arbeitsmarkt zu schaffen.

Union und SPD versprechen zur Bundestagswahl, das Problem künftig besser anzugehen. CSU/CDU haben sich in ihrem Wahlprogramm für den Ausbau öffentlich geförderter Beschäftigung ausgesprochen. Im seinem «Zukunftsplan» betont SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz: «Die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt geht (...) bisher an vielen Langzeitarbeitslosen vorbei.» Dies solle sich ändern.



Thema des Tages

CSU-Machtkampf zieht sich hin

München (dpa) - Der Machtkampf um die Führung der CSU und des Freistaats Bayern geht unter veränderten Vorzeichen weiter. CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer vertagte seine mit Spannung erwartete Aussage zu seiner persönlichen Zukunft quasi in letzter Minute. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Horst Seehofer kämpft um sein politisches Erbe
  • Seehofers Beruhigungspille
  • Zickzack in die Groko? Schicksalstage für die SPD
  • Computer

    Bundesbank-Vorstand: Bitcoin ist kein Geld

    Frankfurt/Main (dpa) - Digitalwährungen wie Bitcoin sind aus Sicht der Bundesbank kein Ersatz für Euro, Dollar und Co. «Bitcoin ist kein Geld, sondern ein Spekulationsobjekt», schrieb Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in einem Gastbeitrag für den Ifo-Schnelldienst. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Pilot FlyingBear bei Drohnen-Rennen vorn
  • Facebook lässt diskriminierende Werbung zu
  • Meg Whitman verlässt Chefposten beim Computerkonzern HPE


  • Wissenschaft

    Forscher beschreiben 26 neue Zwergfrösche aus Madagaskar

    Darmstadt/Braunschweig/München (dpa) - Ein internationales Autorenteam hat 26 neue Arten von Zwergfröschen aus Madagaskar beschrieben. Sie gehören zur Gattung Stumpffia - darunter einige der kleinsten Amphibien der Welt, wie der Mitautor Jörn Köhler vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt mitteilte. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Israelische Forscher verwandeln Hühnerkot in eine Art Kohle
  • Mehr Wölfe in Deutschland: 60 Rudel nachgewiesen
  • Linkshänder profitieren bei Sportarten mit hohem Zeitdruck
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 13.007,50 -0,06%
    TecDAX 2.574,25 +0,37%
    EUR/USD 1,1851 +0,28%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation