Brennpunkte
02.06.2013

Bundeswehr bereitet sich auf Flut-Hilfseinsätze vor

Berlin (dpa) - Nach tagelangem Dauerregen hat sich die Hochwasserlage im Süden und Osten Deutschlands am Sonntag dramatisch zugespitzt. Mehrere Städte und Landkreise in Bayern, Thüringen und Sachsen riefen Katastrophenalarm aus. Die Bundeswehr bereitete sich auf Hilfseinsätze vor.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den am stärksten betroffenen Ländern «volle Unterstützung» zu. In Österreich wurde ein Mann von einer Schlammlawine begraben, in Tschechien starben zwei Menschen bei einem Hauseinsturz. Die Regierung in Prag rief am Abend den Notstand aus.

Die Maßnahme in Tschechien gelte in allen Regionen mit Ausnahme der Region Pardubice, sagte Ministerpräsident Petr Necas im Tschechischen Fernsehen. «Wir haben noch eine sehr kritische Nacht und einen kritischen Morgen vor uns», warnte der Regierungschef. Die Mitte-Rechts-Regierung stellte umgerechnet 11 Millionen Euro sowie bis zu 1000 Soldaten zur Bekämpfung der Fluten zur Verfügung. An mehr als 50 Orten Tschechiens galt die höchste Warnstufe 3. Auch in Polen kam es vor allem in Südwesten des Landes zu Überschwemmungen.

Dramatische Szenen auch in Deutschland: Braune Wassermassen fluteten Straßen, Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. In Bayern drohe möglicherweise ein Hochwasser bisher ungekannten Ausmaßes, warnte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) vor einem Krisentreffen. Katastrophenalarm wurde unter anderem in Passau und Rosenheim ausgerufen. In Sachsen waren etwa Zwickau und Chemnitz betroffen. In Ostthüringen gab es Katastrophenalarm im Kreis Greiz.

Die Einsatzkräfte in Passau waren zusehends erschöpft und überfordert. Viele Häuser in der Dreiflüssestadt waren nur noch über Stege zu erreichen. Bis zum Abend sollte der Pegelstand der Donau - so die Befürchtung - auf mehr als elf Meter steigen. Das Jahrhunderthochwasser 2002 hatte einen Höchststand von 10,81 Metern. In Berchtesgaden brach die Schleuse eines Bergsees, die Wassermassen ergossen sich unkontrolliert ins wenig bevölkerte Tal.

Auch die Pegelstände der Mangfall in Rosenheim könnten einen neuen Rekord erreichen, befürchtete ein Sprecher der Stadt. Der Damm drohte zu brechen. In Rosenheim wurden erste Stadtteile evakuiert. An vielen Schulen in Bayern soll der Unterricht an diesem Montag ausfallen.

Die thüringische Kleinstadt Gößnitz mit ihren rund 3000 Einwohnern sollte komplett evakuiert werden. «Der Pegel der Pleiße steht momentan bei 4,14 Meter, normal ist ein Meter», sagte die Sprecherin des Landratsamtes, Jana Fuchs, am Abend. Die Menschen werden ihr zufolge bei Verwandten oder in einem Notquartier untergebracht.

Land unter auch in Sachsen: In Chemnitz trat der gleichnamige Fluss über die Ufer. In Zwickau brachten Helfer Menschen eines Ortsteils in Sicherheit. Im Vogtland lief die Talsperre Pirk über. In Grimmas Altstadt standen Straßen unter Wasser. «Rund 2000 Menschen müssen in Sicherheit gebracht werden», sagte eine Stadtsprecherin. Nach Angaben des Landkreises Leipzig könnten die Pegelstände des Hochwassers von 2002 überschritten werden. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte seinen Türkei-Besuch ab. In weiten Teilen des Bundeslandes soll an diesem Montag die Schule ausfallen.

Auch in Sachsen-Anhalt gab es keine Entwarnung. «Die Lage sieht vor allem bei Wetterzeube dramatisch aus. Hier droht an der Weißen Elster das höchste Hochwasser seit 1924», sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Angst herrschte ebenfalls in Halle. Hier wurden Tausende von Sandsäcken vorsorglich gefüllt.

In Baden-Württemberg mussten die Helfer zu mehr als 3000 Einsätzen ausrücken. In Reutlingen wurden am Sonntag zwei Menschen vermisst - sie könnten in die Echaz, einen Neckarzufluss, gefallen sein. Dramatische Szenen in Steinmauern bei Rastatt: Eine 29-Jährige war laut Polizei mit ihrem Auto trotz Straßensperre ins Hochwasser von Murg und Rhein gefahren. Der Wagen wurde von der Fahrbahn gespült, verfing sich aber in Bäumen. Die vier Insassen retteten sich aufs Dach. Beim Rettungsversuch kenterte ein Boot der Feuerwehr. Alle zehn beteiligten Personen fielen ins Wasser, konnten aber gerettet werden.

Auf weiten Strecken von Rhein, Main und Neckar wurde die Schifffahrt wegen des Hochwassers gestoppt. Am Mittelrhein wurden weitere Überschwemmungen erwartet. In der Schweizer Rheinmetropole Basel forderte der Krisenstab die Bevölkerung auf, sich nicht in die unmittelbare Nähe des Rheinufers zu begeben.

In Österreich und der Schweiz hielt das Hochwasser Tausende Katastrophenhelfer in Atem. In beiden Alpenländern wurden Straßen und Eisenbahnlinien überflutet oder von Hangrutschen unterbrochen. Besonders stark betroffen war der an Bayern grenzende Innkreis in Österreich. Die Ortschaft Ettenau wurde evakuiert, nachdem die Salzach über die Ufer getreten war. In St. Johann im Pongau bei Salzburg wurden drei Arbeiter von einem Murenabgang überrascht. Einer von ihnen wurde mitgerissen und starb.

In Tschechien galt an mehr als 50 Orten die höchste Warnstufe. Die Moldau drohte, die Prager Altstadt zu überfluten. Patienten eines ufernahen Krankenhauses mussten in Sicherheit gebracht werden. Beim Einsturz eines Wochenendhauses bei Prag starben zwei Menschen. An zwei Flüssen in Böhmen wurden drei Wassersportler vermisst. Straßen und Bahnstrecken im Süden und Westen des Landes wurden gesperrt.

Trotz der dramatischen Hochwasserlage in vielen Regionen nähert sich der Sommer. Der Dauerregen im Süden und Osten Deutschlands lässt im Laufe des Montags langsam nach, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach miitteilte. Gleichzeitig setzt sich von Westen her allmählich leichter Hochdruckeinfluss durch.



Thema des Tages

Kiew geht erneut gegen prorussische Aktivisten vor

Kiew (dpa) - Nach einer Oster-Pause geht die Regierung in Kiew wieder gegen prorussische Aktivisten in der Ostukraine vor. Von Waffenniederlegungen ist nichts zu sehen. US-Außenminister Kerry nimmt Russland in die Pflicht. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Ukraine-Konflikt: Kerry pocht auf mehr Anstrengungen Moskaus
  • Wladimir Klitschko glaubt an «Happy End»
  • Biden wirbt in Kiew für Einheit des Krisenstaates
  • Computer

    WhatsApp knackt die Marke von einer halben Milliarde Nutzern

    Mountain View (dpa) - Weltweit nutzen 500 Millionen Menschen regelmäßig den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Die meisten Neukunden habe das Unternehmen in den vergangenen Monaten in Ländern wie Brasilien, Indien, Mexiko und Russland gewonnen. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Twitter holt Google-Manager als neuen Deutschland-Chef
  • Ein Viertel der Internetnutzer wechselt nie die Passwörter
  • Apple betont Fortschritte beim Umweltschutz


  • Wissenschaft

    Meterdicke Steinflöße: Routen-Modell für treibendes Vulkangestein

    London (dpa) - Meterdick und Tausende Quadratkilometer groß können die Teppiche aus porösem Bimsstein sein, die nach unterseeischen Vulkanausbrüchen auf dem Meer treiben. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Sardinen im Quirl: Gewitzter Fächerfisch schlägt blitzschnell zu
  • Stiftung warnt: Große Asteroiden-Treffer keine Seltenheit
  • Nasa-Sonde «Ladee» wie geplant auf Mondoberfläche zerschellt
  • Börse
    DAX
    DAX 9.606,00 +0,06%
    TecDAX 1.228,00 -0,01%
    EUR/USD 1,3826 +0,16%

    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation