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25.03.2019

Generalverdacht: Eisschnellläufer wehren sich

Von Robert Semmler, Frank Thomas und Andreas Schirmer, dpa

Berlin (dpa) - Deutschlands beste Eisschnellläufer haben sich nach einem ARD-Bericht über einen Dopingverdacht in ihrer Sportart gegen einen Generalverdacht gewehrt. Sowohl Patrick Beckert als auch Nico Ihle betonten, dass sie den mutmaßlichen Drahtzieher eines angeblichen Netzwerkes nicht kennen.

Beide bedauerten nach dem Beitrag in der «Sportschau» aber vor allem, dass der gesamte Eisschnelllauf nun generell unter Verdacht geraten sei. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft München äußerte sich nicht zu dem Bericht über etwaige Ermittlungen gegen einen angeblich unter Dopingverdacht stehenden deutschen Eisschnellläufer. Die Nationale Anti-Doping-Agentur erklärte, dass sie eng mit der Münchner Staatsanwaltschaft kooperiere, aber zum derzeitigen Zeitpunkt «den im ARD-Bericht genannten Fall weder bestätigen noch dementieren» könne.

Ihle teilte der Deutschen Presse-Agentur per WhatsApp in einem Statement mit, er finde es sehr schade, dass der Eisschnelllauf mit so einem Thema in die Presse gerate. «Das ist für all die Athleten unfair, die sauber für ihre Leistung kämpfen», schrieb der Chemnitzer Eissprinter. Auch Beckert verlangte, an die sauberen Athleten zu denken und sie zu schützen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre dies schrecklich und sehr traurig für den Sport, sagte er der dpa. «Diese Leute wird es immer wieder geben. Umso wichtiger ist es, diese Leute rauszufinden und zu benennen», erklärte der Erfurter WM-Vierte über 10.000 Meter.

Die Frage sei auch, ob der Verdacht einen Sportler aus den vergangenen Jahren betreffe, fügte der 28-Jährige hinzu. Ihle erklärte, er hoffe nur, dass es sich um einen ehemaligen Athleten handele. Von den Sportlern, die 2018 bei Olympia in Pyeongchang gestartet seien, werde es keiner gewesen sein, meinte der Sachse.

Nach dem ARD-Bericht stand das Telefon bei Aktivensprecher Moritz Geisreiter nicht mehr still. «Viele Sportler haben mich seit gestern Abend kontaktiert. Die Reaktion ist eine Mischung aus Betroffenheit und Wut», sagte der 31-jährige Inzeller der Deutschen Presse-Agentur. Der Langstreckler hatte nach den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang seine Laufbahn beendet und die Funktion als Aktivensprecher übernommen.

«Eigentlich ist es für mich immer etwas Erleichterndes, wenn ein Dopingfall bekannt wird. Aber jetzt ist die eigene Sportart, der eigene Verband betroffen. Es ist ein verdammt naher Einschlag, den ich so nicht erwartet habe. Es ist unfassbar, dass es einer von uns gewagt hat, so etwas zu tun», fügte Geisreiter hinzu und forderte wie Beckert die Nennung des Namens.

Nach Angaben der zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft in München wurden nach den Razzien bei der Nordischen Ski-WM und in Erfurt bisher 21 Sportler aus acht europäischen Ländern ermittelt, die mutmaßlich Eigenblutdoping betrieben haben sollen. Die Sportler kämen aus fünf Sportarten, darunter drei Wintersportarten.

Beckert befürwortete die Ermittlungen gegen ein mutmaßliches Doping-Netzwerk, in dessen Mittelpunkt der Sportmediziner Mark S. aus Erfurt stehen soll. «Aber keine Sorge, ich habe damit nichts zu tun», schrieb der Langstrecken-Spezialist bei Facebook. Er selbst habe den Namen des als Hauptbeschuldigten geltenden Arztes nicht gekannt, betonte Beckert im Gespräch mit dpa und bezeichnete die Strafen für Dopingverstöße als zu mild. Der Sprint-WM-Siebte Ihle schrieb, er kenne Arzt, Verfahren und den verdächtigten Athleten nicht.

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft, die mit den Folgen von zwei medaillenlosen Olympischen Winterspielen kämpft, hatte sich am Sonntagabend «bestürzt und geschockt zugleich» gezeigt. «Dem medial erhobenen Verdacht gegen eine/n deutschen Eisschnellläufer/Eisschnellläuferin muss mit allen Mitteln nachgegangen werden», hieß es in einer Mitteilung. Sportdirektor Matthias Kulik verwies am Montag auf Nachfrage auf diese Erklärung.

Darin hatte der Verband betont: «Nach unserem Wissensstand war kein Athlet/-in unseres Verbandes mit dem beschuldigten Arzt in Kontakt.» Zu diesem Zeitpunkt könne man keine weitere Stellungnahme abgeben und müsse die Ermittlungsergebnisse abwarten.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation