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11.01.2019

Ex-Doper Loginow siegt in Oberhof - «Müssen das hinnehmen»

Von Volker Gundrum und Thomas Wolfer, dpa

Oberhof (dpa) - Im deutschen Biathlon-Mekka Oberhof hat Ex-Doper Alexander Loginow vor den Augen von IOC-Chef Thomas Bach seinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert. Als der 26 Jahre alte Russe in der Rennsteig-Arena ins Ziel kam, wurde er von den 12.300 Zuschauern mit Beifall bedacht.

Pfiffe für den Mann aus Saratow gab es nicht. Später stand Loginow zusammen mit dem Norweger Johannes Thingnes Bö und dem Schweden Sebastian Samuelsson auf dem Podium und strahlte. «Ich möchte einfach nur laufen und nicht mehr über die Vergangenheit sprechen», sagte der Premieren-Sieger.

Sprint-Weltmeister Benedikt Doll als Vierter, Olympiasieger Arnd Peiffer als Fünfter und Erik Lesser als 17. verschafften sich eine bessere Ausgangsposition für die Verfolgung am Samstag als Johannes Kühn auf Rang 39 und die deutschen Frauen nach dem historischen Debakel am Donnerstag. Ein bitteres Rennen erlebte am Freitag Massenstart-Weltmeister Simon Schempp, der als 70. die Qualifikation genau wie Debütant Lucas Fratzscher (93.) nicht schaffte.

Nun wird Loginow von der Konkurrenz gejagt - er hat einen Vorsprung von 25 Sekunden. Wenn es nach IOC Präsident Thomas Bach, 1976 Fecht-Olympiasieger, ginge, hätte es der Russe nach seiner Epo-Sperre erst gar nicht auf das Podest geschafft. «Ich bin angetreten als Athletensprecher vor vielen Jahren und habe mit großer Überzeugung und Nachdruck eine lebenslange Sperre für Dopingsünder gefordert», sagte Bach der Deutschen Presse-Agentur. «Aber es ist so in unserem Rechtssystem, dass das nicht möglich ist. Und dass jeder, wenn er seine Strafe verbüßt hat, dann auch wieder das Recht hat zu starten. Und das Recht hat gleich behandelt zu werden.»

Die klare Bach-Kante würde man sich auch in den großen sportpolitischen Diskussionen wünschen. Denn Loginows Oberhof-Sieg wirft ein Schlaglicht auf die Doppel-Moral im Sport. Lesser, einer der Athletensprecher der Biathleten, sagt: «Auch wenn es schwerfällt, man muss damit leben. Schön finde ich es nicht.» Peiffer meinte: «Grundsätzlich hat er seine Strafe verbüßt. Er war zwei Jahre gesperrt, jetzt ist er wieder da. Ich muss erst einmal aus Athletensicht vom Positiven ausgehen: Er ist geläutert, er hat gut trainiert.» Der frühere Juniorenweltmeister Loginow war bis Ende 2016 gesperrt.

«Ich lade alle ein, mich im Training zu besuchen und zu schauen, wie ich arbeite», sagte er einmal. Aktuell gehört Loginow auch zu jenen fünf russischen Skijägern, gegen die in Österreich die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln bei der WM 2017 in Hochfilzen ermittelt. Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht die nächste Sperre.

Loginow bestreitet vehement jede Form des Missbrauchs und verwies bei Instagram vor wenigen Wochen auf seine vielen negativen Dopingtests. Sein Sieg in Thüringen hatte sich angedeutet, in diesem Winter war er schon zweimal Zweiter und zweimal Dritter geworden.

«Wenn keine positive Doping-Probe in der nächsten Zeit kommt, dann müssen wir das einfach so hinnehmen. Ob wir ihn respektieren auf der Strecke, das ist etwas anderes», sagte Lesser. Auch die in Oberhof fehlende Teamkollegin Vanessa Hinz wurde - angesprochen auf Loginow und dessen in der Vergangenheit ebenfalls gesperrte Landsfrau Irina Starych - deutlich. «Dass die einfach so zurückkommen und plötzlich wieder vorne mit dabei sind. Ich tue mich schwer damit, denen zu gratulieren», sagte Hinz im Dezember: «Können die sich überhaupt noch selbst im Spiegel anschauen?»

Nach dem historisch schlechten Damen-Sprint am Donnerstag mit den Plätzen 34 bis 45 und 80 ohne Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier soll in der Verfolgung am Samstag die Wende zum Guten eingeleitet werden - Podestplätze sind allerdings nicht zu erwarten. «Jede soll ihr Rennen so gestalten, dass sie eine gute Leistung bringt und Selbstvertrauen tankt», sagte Damen-Bundestrainer Kristian Mehringer.



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