Überblick
20.04.2019

Steuersenkung bei Tickets bringt 5 Millionen neue Fahrgäste

Von Johanna Uchtmann, dpa

Berlin (dpa) - Bahnchef Richard Lutz rechnet mit Millionen zusätzlichen Fahrgästen, falls die Steuern auf Fernverkehrstickets gesenkt werden.

«Unsere Analysen zeigen, dass wir dadurch über 5 Millionen zusätzliche Reisende im Fernverkehr für die umweltfreundliche Schiene gewinnen könnten», sagte Lutz der «Süddeutschen Zeitung». Die Bahn unterstütze den Vorschlag von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer «ohne Wenn und Aber».

Der CSU-Politiker hatte in der vergangenen Woche Pläne ins Gespräch gebracht, nach denen die Mehrwertsteuer auf Tickets für Fahrten mit dem ICE, Intercity oder Eurocity von 19 auf 7 Prozent sinken soll. Der Fahrgastverband Pro Bahn erklärte daraufhin, dass eine Steuersenkung nur dann wirke, wenn die bundeseigene Deutsche Bahn sie auch an die Kunden weitergebe - oder das Geld in den Netzausbau stecke. Eine Bahn-Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur dazu am Samstag: «Der Steuervorteil würde in voller Höhe den Kunden zugute kommen.» Details nannte sie nicht.

Ob die Steuersenkung kommt, ist ohnehin noch alles andere als sicher. Umweltschützer verlangen sie schon seit Jahren, nun soll der Vorschlag in der Bundesregierung diskutiert werden.

In einem «Spiegel»-Interview warnte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vor zu viel Euphorie über die Pläne des Verkehrsministers. Die Steuersenkung könne zwar dem Klima «ein bisschen» helfen, sei aber relativ teuer. «Selbst ein Tempolimit, das auch nur einen kleinen Beitrag zur Lösung liefern könnte, bringt dreimal mehr - kostet die Steuerzahler aber nichts.»

Schulze erwartet von Scheuer nun ein Gesamtkonzept, um Kosten und Nutzen im Vergleich diskutieren zu können. Im Januar waren Überlegungen zu einem generellen Tempolimit auf Autobahnen bekannt geworden, die innerhalb einer von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppe für Klimaschutz im Verkehr diskutiert wurden.

Lutz bezeichnete eine Steuersenkung im Interview der «SZ» als «Rückenwind auf dem Weg zu einer Verdoppelung der Fahrgäste». Die Bahn hatte angekündigt, die Passagierzahlen bis zum Jahr 2030 auf mehr als 200 Millionen Fernreisende zu erhöhen. 2018 fuhren rund 148 Millionen Reisende mit Fernverkehrszügen und damit vier Prozent mehr als noch 2017.

Der neue Fahrgastrekord zeigt laut Lutz: «Die Menschen wollen mit der Bahn reisen. Allerdings wird 2030 eine Herausforderung, allein weil wir derzeit aufgrund der Infrastruktur limitiert sind.» Den Rückstau bezeichnete er als enorm. «Wenn unsere Gleise Menschen wären, wäre jeder sechste jenseits des Rentenalters und müsste trotzdem jeden Tag einen verdammt harten Job erledigen.»

Das sieht auch die Belegschaft so: In einem Brandbrief an Scheuer forderten rund 270 Bahn-Betriebsräte mehr Investitionen in die Infrastruktur. «Auch 25 Jahre nach der Bahnreform ist die Schieneninfrastruktur des Bundes weiter dramatisch unterfinanziert und hat aus unserer Sicht einen besorgniserregenden Zustand erreicht», heißt es in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den zuvor die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet hatte.

Für die Modernisierung der Schiene, sogenannte Ersatzinvestitionen, fordern die Betriebsräte zusätzliche 2,7 Milliarden Euro pro Jahr. Nach den derzeitigen Haushaltseckwerten soll die Bahn ab 2020 jährlich 4,5 Milliarden Euro bekommen, um ihr Netz instandzuhalten. Das ist schon eine Milliarde mehr als bisher - aber aus Sicht der Bahn-Betriebsräte immer noch zu wenig.



Thema des Tages

«Volle Kraft für Europa»: Von der Leyen gibt Ministeramt ab

Straßburg/Berlin (dpa) - Ursula von der Leyen geht aufs Ganze: Schon vor der Abstimmung über ihre Berufung zur EU-Kommissionspräsidentin hat die CDU-Politikerin am Montag ihren Rücktritt als Bundesverteidigungsministerin angekündigt. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Von der Leyen setzt alles auf eine Karte
  • Auf unsicherem Grund: Welche Chancen hat von der Leyen?
  • Was Ursula von der Leyen für den Fall ihrer Wahl verspricht
  • Computer

    Support-Ende für Windows 7 - Ein Software-Dino verschwindet

    Berlin (dpa) - Mit Windows 7 verlässt in einem halben Jahr ein weiterer Dinosaurier die Bühne der digitalen Welt. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Faxgerät für viele Kinder und Jugendliche gänzlich unbekannt
  • Jede zweite Person nutzt Internet für Behördenkontakte
  • Störung beim Kurznachrichtendienst Twitter


  • Wissenschaft

    Ebola-Fall in Großstadt Goma festgestellt

    Genf (dpa) - Nach dem ersten Ebola-Fall in der Millionenstadt Goma im Kongo prüft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erneut, ob eine «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» ausgerufen werden muss. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Satelliten-Navigationssystem Galileo ausgefallen
  • Gute Chancen für Schaulustige im Süden
  • Forscher wollen insektenfreundlichere Kuhweiden entwickeln
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.416,00 +0,75%
    TecDAX 2.909,00 +1,61%
    EUR/USD 1,1262 +0,01%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation