Brennpunkte
18.06.2019

Neuer Erfolg für Johnson im Rennen um May-Nachfolge

Von Christoph Meyer und Silvia Kusidlo, dpa

London (dpa) - Im Rennen um das Amt des konservativen Parteichefs und künftigen Premierministers hat der britische Ex-Außenminister Boris Johnson einen weiteren großen Erfolg errungen.

Johnson erhielt am Dienstag 126 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion und zieht damit als haushoher Favorit in die nächste Wahlrunde am Mittwoch.

Ebenfalls eine Runde weiter sind Außenminister Jeremy Hunt (46 Stimmen), Umweltminister Michael Gove (41), Überraschungskandidat Rory Stewart (37) sowie Innenminister Sajid Javid (33). Ex-Brexit-Minister Dominic Raab verfehlte dagegen die Hürde von 33 Stimmen. Mehrere Tories gaben umgehend Raab Rückdeckung: Sollte Johnson Premierminister werden, müsse er Raab ins Kabinett berufen.

Bei einer TV-Debatte am Abend ließ sich Johnson nicht auf ein Brexit-Datum festlegen. Auf die Frage eines Zuschauers, ob er garantieren könne, dass Großbritannien die Frist bis zum 31. Oktober für einen EU-Austritt einhalten werde, antwortete Johnson ausweichend. «Wir müssen rauskommen», sagte er. «Ansonsten, fürchte ich, werden wir einen katastrophalen Vertrauensverlust in die Politik erleben.» Gleichzeitig betonte er, niemand wolle einen «ungeordneten Brexit».

Der Politiker, der am Mittwoch seinen 55. Geburtstag feiert, gilt zurzeit als kaum noch zu schlagen. Gefährlich werden könnte ihm Spekulationen zufolge allenfalls noch Stewart, der sich als Stimme der Vernunft und Kandidat der Mitte positioniert hat.

Der Entwicklungshilfeminister konnte die Zahl seiner Unterstützer seit der ersten Abstimmungsrunde beinahe verdoppeln. Anders als seine Mitbewerber schielt Stewart nicht auf einen Ministerposten in einer Johnson-Regierung. Er forderte den Ex-Außenminister bereits mehrfach dazu auf zu erklären, wie er seine vollmundigen Versprechungen in Sachen EU-Austritt in die Realität umsetzen will. Erwartet wird, dass er Johnson im weiteren Verlauf des Auswahlverfahrens beträchtlich ins Schwitzen bringen könnte.

Johnson war einer der Wortführer für den Brexit vor der Volksabstimmung im Juni 2016. Die Briten hatten sich damals mit knapper Mehrheit für den EU-Austritt ausgesprochen.

Johnson will das drei Mal im Parlament gescheiterte Brexit-Abkommen nachverhandeln, obwohl die EU das bereits mehrfach abgelehnt hat. Gelingt das nicht, will er ohne Vertrag aus der Staatengemeinschaft ausscheiden. Die von Experten erwarteten dramatischen Konsequenzen für die Wirtschaft und andere Lebensbereiche hält er für maßlos übertrieben. Stewart dagegen will mithilfe einer Bürgerversammlung doch noch eine Mehrheit für den Brexit-Deal im Parlament zusammenbekommen. Einen No-Deal-Brexit lehnt er ab.

Bis Donnerstag soll die Zahl der Bewerber in weiteren Wahlrunden, bei denen jeweils der Letztplatzierte ausscheidet, von der Fraktion auf zwei reduziert werden. Wer von den beiden Parteichef und damit Premierminister wird, sollen dann die rund 160.000 konservativen Parteimitglieder entscheiden. Umfragen zufolge ist Johnson an der Basis unangefochtener Spitzenreiter. Viele trauen ihm zu, enttäuschte Brexit-Wähler, die sich von den Tories abgewendet haben, zurückzugewinnen. Bis zur Woche vom 22. Juli soll feststehen, wer neuer Regierungschef in Großbritannien wird.



Thema des Tages

Trump nach Attacke auf Demokratinnen schwer in der Kritik

Washington (dpa) - Das von den Demokraten kontrollierte US-Repräsentantenhaus hat die als rassistisch kritisierten Attacken von Präsident Donald Trump gegen vier demokratische Abgeordnete verurteilt. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Von der Leyen wird EU-Kommissionspräsidentin
  • Ursula von der Leyens Pläne für Europa
  • Scheuer für härteres Durchgreifen bei E-Tretrollern
  • Computer

    Bericht: Finanzministerium warnt vor Facebook-Währung Libra

    Berlin (dpa) - Das Bundesfinanzministerium hat Bedenken gegen die digitale Währung Libra des Internetriesen Facebook. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Umfrage: Smartphone ist populärste Spiele-Plattform
  • Support-Ende für Windows 7 - Ein Software-Dino verschwindet
  • Faxgerät für viele Kinder und Jugendliche gänzlich unbekannt


  • Wissenschaft

    Blutspende für Bello und Mieze

    Berlin (dpa) - Wenn sich Kollegen mit einer Blutspende das Leben retten, ist das eine Nachricht - manchmal auch bei Vierbeinern. So erhielt Polizeihund Ivo in Franken im Januar nach einer Tumor-Notoperation Blut von seiner Kollegin, Schäferhündin Kira. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Großer Asteroid verfehlt Erde
  • Ebola-Fall in Großstadt Goma festgestellt
  • Nasa: «Mond ist Testgelände, Mars Ziel»
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.421,50 -0,08%
    TecDAX 2.891,50 -0,09%
    EUR/USD 1,1212 -0,00%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation