«Ray hat ein Jahrhunderte altes mathematisches Problem auf klassischem analytischem Weg gelöst», sagte Wettbewerbsleiter Jens Reichel am Samstag bei der Siegerehrung in Leipzig. «Er löste eine Differenzialgleichung, die einst Newton aufstellte, um Fortbewegungen inklusive Strömungswiderständen zu erklären.»Bisher sei dies nur mit viel Aufwand und großen numerischen Computerleistungen möglich gewesen. «Viele Mathematiker der Universitäten Dresden und Freiberg haben Rays Lösung geprüft und für korrekt befunden», erzählte Reichel und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. «Wenn die Berechnungen weiteren Prüfungen standhält, steht sie wohl bei folgenden Generationen in den Schulbüchern.»
Der Preisträger selbst geht deutlich bescheidener mit seinem Erfolg um: «Ich bin bei der Bearbeitung einer anderen Frage auf das Problem gestoßen», sagt Shouryya Ray. «Ich konnte nicht glauben, dass die Gleichung solange ungelöst war und habe es auf gut Glück probiert.» Der Schüler des mathematisch-naturwissenschaftlichen Spezialgymnasiums Martin-Andersen-Nexö in Dresden kam über ein Forschungsprojekt an der Uni Dresden zum mathematischen Problem.
Dort hatte er sich an Forschungen zum Transport von Sedimenten, etwa Sand, beteiligt. «Viele Schüler unseres Gymnasiums beteiligen sich an Forschungsprojekten der Universität», gibt sich Ray bescheiden. Und lässt sich schließlich doch entlocken, dass er zwei Schuljahre übersprungen hat und in wenigen Wochen seine Abiturprüfungen ablegt. Wofür seine Gleichung in der Praxis angewendet werden könne, weiß der hochbegabte Gymnasiast noch nicht. «Meine Berechnungen dienen eher der Grundlagenforschung.» Derzeit beschäftige ihn ein anderes schwieriges Problem: «Ich muss mich entscheiden, ob ich Mathe oder Physik studieren will.»