Wie gewohnt in schlabbriger Schlafanzughose verriet der 60-Jährige der dpa, wie es ihn in die Schau im Martin-Gropius-Bau verschlagen hat.Was hat Sie an der Idee der Ausstellung interessiert?
Schnabel: «Anselm Kiefer und (der Initiator) Walter Smerling haben mich in meinem New Yorker Studio besucht und sahen die Bilder. Sie sagten: Oh, wie schön, können wir die in unserer Ausstellung zeigen? Und ich sagte okay. Das war's. ... Was mich aber vielleicht wirklich interessiert, dass sie hier ganz aus dem Zusammenhang herausgelöst gezeigt werden, als ein Kontrapunkt zur Ausstellung.»
Sind für Ihre Arbeit Zeitungen wichtig?
Schnabel: «Um ehrlich zu sein: Nein. Natürlich liebe ich die Braunkreuz-Arbeiten von Beuys und die wunderbaren Zeitungscollagen von Picasso. Aber das ist immer mit der Idee verbunden, dass schon etwas vorhanden ist, dass es ein vorgegebenes Objekt gibt. Ich bin vielleicht Künstler geworden, damit ich die Zeit anhalten kann. Meine Eltern haben in die Zukunft geschaut und in die Vergangenheit, aber es gab keine Zeit, in der ich sein konnte. Und deshalb habe ich schon als Kind angefangen zu malen. Damit konnte ich etwas festhalten und später wieder dahin zurückkehren, wenn ich wollte.»
Ist die Wahrheit der Medien auch die Wahrheit der Kunst?
Schnabel: «Es sind ganz offensichtlich unterschiedliche Wahrheiten. Und selbst wenn jemand die Wahrheit sagen will, heißt es noch lange nicht, dass er das tut. Dafür ist es zu schwierig, überhaupt zu wissen, was die Wahrheit ist. Schauen Sie meine Bilder an. Ich mache ein Foto, das hat schon eine gewisse theatralische Qualität. Und dann bringe ich die Tintenspuren und Tintenflecken drauf, die vielleicht so etwas sind wie eine innere Landkarte dieses Menschen. Aber das entsteht alles zufällig. Andere Menschen machen alles absichtlich und denken, sie hätten die Kontrolle. In Wirklichkeit wissen sie nicht, welche Kräfte ihren Pinsel führen.»
Gespräch: Nada Weigelt, dpa