Nachrichten

Tagesthema
Brennpunkte
Politik
Ticker
Wirtschaft
Computer
Wissenschaft
Börse
Wetter
Archiv

Sportsline

Topnews
Fußball
Motorsport
Tennis
Radsport
Leichtathletik
US-Sport
Funsport
Eishockey
Handball
Basketball
Boxen
Sportmix
Service

Serviceline

Computer + Multimedia
Technik + Neue Medien
Auto + Verkehr
Geld + Recht
Beruf + Bildung
Bauen + Wohnen
Frau + Familie
Garten + Umwelt
Gesundheit
Ernährung
Jugend
Lifestyle + Mode
Reisen + Tourismus

Starline

Buch
Fernsehen
Film
Kultur
Leben
Leute
Musik

Sidebar

Netscape 6
Opera 6
Mozilla

 
   
Kultur
 
       
       
   

Die vielen Gesichter der Cindy Sherman in New York

Von Manuela Imre, dpa

New York (dpa) - Wenn Cindy Sherman eines fehlt, dann ist es Eitelkeit. Die US-Konzeptkünstlerin nutzt Make-up oder Perücken nicht, um Makel zu überdecken. Sherman tut genau das Gegenteil: Sie rückt das Negative in den Vordergrund, hebt Peinlichkeiten hervor und setzt das Groteske mit trauriger Lächerlichkeit in Szene.

Cindy Sherman Die Fotografin inszeniert sich in ihren Bildern mit fast brutalem Mut zur Hässlichkeit. Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) widmet der 58 Jahre alten New Yorkerin nun eine Retrospektive. Bis zum 11. Juni sind mehr als 170 Fotografien von ihren Karriere-Anfängen in den 1970er Jahren bis heute zu sehen.

Es gibt kaum einen weiblichen Charakter, in den Sherman noch nicht schlüpfte, kein Klischee, das sie sich nicht überzog. Im sechsten Stock des MoMA schaut sie unter anderem als Filmstar, Milchmädchen, Hausfrau, Kurtisane, Frisörin oder auch als Clown von den oft großflächigen Bildern. Sie spielt aggressiv mit den Rollen, betont verfurchte Gesichter mit vulgärem Make-Up, schafft durch Prothesen hängende Brüste oder krumme Nasen und verstärkt verzweifelte Hilferufe aus leeren Augen. Das Lachen über einen verschmierten Lippenstift bleibt dem Betrachter dabei oft im Hals stecken.

Sherman zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen inszenierter Fotografie, ihre Bilder verkaufen sich teuer: Eine Aufnahme als Teenager aus der Centerfolds-Serie (1981) wurde 2011 für 3,9 Millionen Dollar versteigert und war kurz das teuerste Foto der Welt. Und trotz der omnipräsenten Selbstinszenierung, trotz des Erfolges, bleibt Sherman selbst ein Fragezeichen. Wer die Frau ist, die sich immer wieder neu erfindet und alleine, ohne Assistenten, arbeitet, wird auch im MoMa nicht aufgedeckt. In einem Interview mit der «New York Times» bekräftigte sie, mit ihren Kunstpersönlichkeiten nichts gemein zu haben: «Keine dieser Figuren bin ich. Sie sind alles andere als ich. Wenn mir etwas zu ähnlich wird, dann wird es abgelehnt».

Mit ihren gefeierten «Untitled Film Stills» (1977-80) sorgte sie vor 30 Jahren zum ersten Mal für Aufsehen. Inspiriert vom Film-Noir und dem Hollywood der 50er und 60er Jahre verwandelte Sherman sich für die Kamera in stereotype Frauenrollen jener Zeit: Das verschreckte Heimchen am Herd, die voluminöse Sexbombe, die wartende Geliebte im abgewrackten Motel-Zimmer.

Diese schwarz-weißen Anfänge von Sherman sind verglichen mit den späteren Werken schlicht, beinahe verspielt. Mit jedem Schritt durch die Ausstellung nehmen Tragik und Verzweiflung zu. Geradezu schmerzhaft unglücklich wirken die Porträts ihrer Serie aus dem Jahr 2000, auf denen alternde Möchtegern-Stars die Wunden gescheiterter Ambitionen im Gesicht tragen. Peinlich lange, grelle Fingernägel sind so unecht wie die zu dunkle Bräune, deren Ränder auf der Haut sichtbar ist.

Die Retrospektive, zusammengestellt von MoMA-Kuratorin Eva Respini, deckt Shermans Eintauchen in Bereiche wie Kino, Fiktion, Karneval, Märchen, Mode, Gender-Rollen, Geschichte oder Klassenkampf ab. Auch vor Horror, Groteskem und Ekeligem macht sie nicht Halt. Ende der 1980er Jahre nahm sich Sherman eine Weile aus ihren Bildern heraus. Stattdessen schockierte sie mit grotesk arrangierten Prothesen, Erbrochenem und Exkrementen, die sich zu einer widerlichen Landschaft verschieben. Diese Sherman-leeren Bilder bekräftigen vor allem: Am tiefsten trifft die Künstlerin, wenn sie chamäleonhaft in eine Rolle schlüpft.

Die Zeit hat nicht nur auf Shermans Gesicht Veränderungen bewirkt, sondern auch in ihrer Arbeitsweise. In den 70er Jahren werkelte sie vor allem an sich selbst wie an einer Leinwand, kolorierte Schwarzweiß-Bilder von Hand nach oder malte Haare hinzu. Heute, schreibt Sherman im Katalog zur Ausstellung, nutze sie die Möglichkeiten der Technik: «Ich begann die Gesichter digital zu verändern. Es ist so, als ob man Fotoshop anstatt Make-up verwendet.»

Durch die Computer-Bearbeitung haben Shermans aktuelle großflächige Bilder zum Schluss der Retrospektive noch mehr Sprengkraft. Perlenbehangene High-Society-Matronen schwelgen hier auf den ersten Blick im Luxus. Die Eitelkeit der Porträtierten wird durch Zeichen misslungener Schönheitsbehandlungen entlarvt: Zu weit auseinander stehende Augen, aufgeplusterte Wangen, faltige Hälse. Für Sherman typisch wirken die Frauen gefangen in ihren Posen und Roben - und sind auf eine seelenlose Weise hässlich.


 
       
     
     
  [© pipeline]
 
 
Übersicht Kultur


  Aktuell

 Gewandhaus feiert Wagner

 Raubkunst-Streit um Klees «Sumpflegende» vor Gericht

 Streit um den Dresdner Kulturpalast

 Giacometti-Künstlerbuch für Dresden

 Meininger Theater - Oper aus Asien zum Saisonstart

 Dirigent Wolfgang Rennert gestorben

 Ai Weiwei hofft auf Wandel in China

 Chefdirigent warnt vor finanziellem Aderlass

 Kulturpalast Dresden: Es steht viel auf dem Spiel

 Kunstprojekt aus Frauenhaus-Geschichten

 Theaterfestival in Avignon zeigt über 35 Stücke

 Kolja Reichert erhält Preis für Kunstkritik

 Pablo Picasso: Bis zu 50 000 Werke

 Der Expressionist Max Beckmann

 Willem de Kooning: Zeichner, Bildhauer, Objektkünstler

 Picasso und die Frauen

 Das Frauenbild in der Kunst: Eine Männer-Fantasie

 Beckmann, Picasso, de Kooning und die Frauen

 Neue Ausstellung im Anne-Frank-Haus in Amsterdam

 Debatte über Deutsche Oper

 Mit Mozart und russischen Komponisten in neue Saison

 Erfolg für Chemnitzer «Peredwischniki»-Ausstellung

 Deutsche Oper am Rhein mit vier Auftragswerken

 RIAS Jugendorchester gibt nach 65 Jahren auf

 Freyer inszeniert Wagners «Walküre»

 Kunst in der Finanzkrise besonders gefragt

 Ai Weiwei kritisiert Ausstellung über Aufklärung in Peking

 «Swanda»: Teuflisches Spiel mit Witz und Happy End

 Neuer Blick auf Picasso, Beckmann und de Kooning

 Nicholas Ofczarek mit Eysoldt-Ring geehrt

 Dirigent Hengelbrock erhält Praetorius Musikpreis

 Alicia Alonso: Annäherung an eine Prima Ballerina

 Museumsdirektor Schrenk zieht positive Bilanz

 «Körpersprache³» bringt gleich drei Uraufführungen

 Massengrab aus Dreißigjährigem Krieg geöffnet

 Streit um «Kulturinfarkt» beschäftigt Justiz

 documenta-Kunstwerk auf Kasseler Karlswiese

 Beat-Poet Burroughs als multimedialer Künstler

 Julian Schnabel will die Zeit anhalten

 «12 Kunsträume - von Picasso zu Beuys» in Bamberg

 «Art and Press»: Ausstellung über eine Hassliebe

 Installation von Philipp Geist bei Frankfurter Luminale

 Landesmuseum Hannover entführt ins Reich der Tiere

 Alfred Grosser erhält Deutsch-Französischen Medienpreis

 Migranten an deutschen Staatstheatern

 Kunstschau «Pacific Standard Time» in Berlin

 «Berlin Transit»: Ausstellung im Jüdischen Museum

 EPA-Fotograf Wassil Donew gewinnt Pressefoto-Preis

 «Alter Fritz» zwischen Verehrung und Verdammung

 Cornelis Bega: Aachen entdeckt vergessenen Künstler

 Bremer Kunsthalle zeigt Originale von Dürer

 Edgar Degas und der Akt in Paris

 Winsor McCay in Hannover

 Magnum-Fotografien in Hannover

 Wuppertal feiert den «Sturm»

 Tim Burton-Retrospektive in Paris

 Matisse-Retrospektive in Paris

 Per Kirkeby - Leuchtende Farben im Spätwerk

 Kulturschaffende bestürzt über Kürzungsforderung

 Holocaust-Mahnmal: Manschetten gegen Betonschäden

 New Yorker Ausstellung zu den Anfängen des Islams

 Ausstellung: Von der Keilschrift zum Computer

 Wiesbaden zeigt Ellsworth Kelly

 Die vielen Gesichter der Cindy Sherman in New York

 Frida Kahlos Kleider in neuer Schau in Mexiko

 Klemms Künstlerporträts in Hannover

 «Der Bloemaert-Effekt!» - Ausstellung in Schwerin

 Grüner Mooshügel verwirrt in Düsseldorf

 «Die Leidenschaften» im Hygiene-Museum Dresden

 Fotos von Boris Mikhailov in Berlin

 Die Reisen des August Macke in Bonn

 «Goldene Pracht» in Münster

 «Müde Helden» in der Hamburger Kunsthalle

 Hernan Bas' traumhafte Malerei

 Turner, Monet und Twombly in Stuttgart

 Gerhard Richter stellt Werkschau in Berlin vor

 Dresden zeigt Leben und Werk von Adrian Zingg

 Porträts von Lucian Freud in London

 Spektakuläre Munch-Ausstellung in der Schirn

 «Warhol: Headlines» in Frankfurt am Main

 Warhol, Basquiat, Clemente in der Bundeskunsthalle

 Reise der Erinnerungen mit Louise Bourgeois

 Die Faszination des Augenblicks bei Kokoschka

 Projekt «60 Sekunden»: Unbewusste Kritzeleien als Kunst

 Schau zur Nachkriegskunst in Dresden

 Andreas Gurskys Wimmelbilder in Kopenhagen

 David Hockney in London

 «Die Erfindung des Wilden» - Ausstellung in Paris

 Charles Saatchi entdeckt die Deutschen

 Leonardo wie noch nie in London

 



Tagesthema | Wissenschaft | Brennpunkte | Wirtschaft | Computer | Politik | Sport | Wetter | Homepage