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Turner, Monet und Twombly in Stuttgart

Stuttgart (dpa) - Ein wenig ketzerisch sind sie schon, die Plakate, die seit einigen Tagen in Stuttgarts Innenstadt für die neue Ausstellung der Staatsgalerie werben, die bis zum 28. Mai läuft.

Turner - Monet - Twombly «Eine rohe Tapete ist raffinierter gestaltet als dieses Bild», steht da beispielsweise im Graffiti-Look neben einem der berühmten Seerosen-Motive von Claude Monet. Oder: «Ich frage mich, wie herum Turners Bilder aufzuhängen sind», ist neben eine abstrakte Landschaft des Briten William Turner geschmiert.

Die Kritzeleien lockern die sonst traditionell geratenen Plakate auf und deuten bereits auf ein Merkmal der Sonderschau «Turner - Monet - Twombly. Later Paintings» an. Hier wird das Spätwerk von drei Malern aus fast 200 Jahren Kunstgeschichte hinterfragt und in neue Zusammenhänge gestellt.

Da gibt es beispielsweise den Eingangsraum «Atmosphäre», in dem «Pier in Inverary, Loch Fyne: Morgen» zu sehen ist, eines der reduzierten Landschaftsbilder des 1851 gestorbenen Turner. Kaum erkennbar sind darauf die Silhouetten eines Berges und eines Sees, wirkliche Landschaftsmalerei sieht anders aus. «Auch die Zeitgenossen hat das irritiert», sagt Assistenzkurator Steffen Egle. «Aber uns fasziniert es heutzutage, weil es ein Vorläufer der Moderne ist.»

Im gleichen Raum findet der Betrachter das erste von fast 30 Werken Claude Monets, die zur Ausstellung gehören, darunter auch einige der berühmten Seerosenbilder des Franzosen.

Beim «Morgen auf der Seine, Givery» ist die Horizontlinie nur schwach ausgeprägt und gerade deshalb scheint das Gemälde mit dem von Turner zu korrespondieren. «Wir haben bewusst keine chronologische Hängung gewählt, um solche Zusammenhänge aufzuzeigen», erklärt Egle. Auch der im vergangenen Jahr gestorbene Cy Twombly habe sich von den anderen beiden Künstlern inspirieren lassen.

Deutlich erkennbar seien in seinen abstrakt expressionistischen Werken die Weiterentwicklung von deren poetischer Bildsprache, bis hin zur extremen Reduktion. Diese zeigt sich zum Beispiel im 1979 entstandenen «Orpheus», einer Darstellung des griechischen Mythos, die ganz ohne Figuren auskommt, sondern die Geschichte in geschmierten Worten und wenigen übermalten Strichen andeutet.

Und was bildet nun die Klammer dieser gut 70 Bilder umfassenden Schau, die vom schwedischen Moderna Museet Stockholm organisiert wurde und nach der Station in Stuttgart dann nach Liverpool weiterwandern wird?

Alle drei Künstler wiesen ein besonders ausgeprägtes Spätwerk auf, erklärt der Kunstwissenschaftler. «Sie finden noch einmal zu einer neuen Formen- und Farbensprache», sagt Egle. «Und alle drei haben im Alter zu einer neuen Form von Lebensenergie gefunden.» Inmitten all der abstrakten Gemälde ist dies vielleicht der konkreteste und tröstendste Gedanke.


 
       
     
     
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