Es geht um die große Liebe, das Weiterleben nach dem Tod des Partners, ums Loslassen. Die deutsch-polnische Koproduktion setzt auf Tragik genauso wie auf komische Momente.Der Krebs hat sie dahingerafft, Iza, die Opernsängerin. Und Bogdan (Zbigniew Zamachowski), der Konzertpianist, der muss nun klar kommen mit all dem Schmerz. Dabei hatten sie sich doch ewige Treue geschworen, damals am Strand der Ostsee. Da waren Iza und Bogdan noch Kinder; man sieht das in einer schönen Rückblende ganz zu Beginn des Films. Also verkrümelt sich Bogdan auf den Bauernhof seiner Mutter, gibt sich dem Alkohol hin, bis er eine erstaunliche Entdeckung macht: Klara, eine Kuh vom Hof, reagiert derart positiv auf Musik von Mozart, dass plötzlich alle im Dorf ganz wild sind auf ihre Milch.
Bogdan aber findet jetzt nicht nur zurück ins Leben, er ist sich auch bald ganz sicher: Bei Klara, der Kuh, handelt es sich um niemand anderen als seine geliebte Iza. Die tote Sängerin wandelt nun eben als Wiederkäuer auf Erden. Bogdans Tochter (gespielt von der aparten Agata Buzek), der Dorfpfarrer und seine Mutter - sie alle machen sich zunächst große Sorgen um seinen Geisteszustand: «Mein einziger Sohn nimmt sich eine Kuh als Frau!». Allmählich aber dämmert ihnen, dass dies des Witwers ganz spezielle Art ist, seinen Frieden zu finden.
Mit «Sommer auf dem Land» legt Regisseur Radek Wegrzyn sein Spielfilmdebüt vor, auch fürs Skript zeichnet der gebürtige Pole als Co-Autor verantwortlich. Wegrzyn (Jahrgang 1977) kommt aus einer Musiker-Familie, studiert hat er sowohl in England, den USA als auch Deutschland, wo er 2008 seinen Abschluss in Filmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) Konrad Wolf machte. Sein Erstling, so hat Wegrzyn erklärt, soll auch eine Liebeserklärung sein an seine Familie und sein polnisches Heimatland. Und auch an die Musik, die ihn seit seiner Geburt begleitet habe.
Der Neunzigminüter wartet auf mit der rechten Mischung aus traurigen und lustigen Sequenzen - man verlässt das Kino jedenfalls mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auch wer sich für Klassik und Opern erwärmen kann, dem sei Radek Wegrzyns Debüt ans Herz, respektive Ohr gelegt. Vorausgesetzt freilich, dass man sich nicht stört an dem unkonventionellen, teils frechen Umgang mit klassischer Musik in dieser kleinen, dabei stets sympathischen Tragikomödie.