Lokales


»Fleckchen Erde nicht opfern»

A39: VCD-Kreisverband hat an Bundesverkehrsminister Stolpe geschrieben

ab Lüchow. Mit großer Sorge betrachtet der VCD-Kreisverband Lüchow-Dannenberg die angedachten Planungen der A39 von Lüneburg nach Wolfsburg. »Uns ist bekannt, dass das Straßenbauamt Lüneburg einen Korridor für die neue Autobahn ausgewiesen hat», schreibt der Verkehrsclub Deutschland in einem Brief an Bundesverehrsminister Manfred Stolpe (SPD).

»Grundsätzlich ist der VCD der festen Überzeugung, dass eine immer weitere Zubetonierung unserer Schöpfung nicht die zukunftsweisende Lösung sein kann, betont VCD-Kreisverbandsvorsitzender Johannes Heuer junior aus Guhreitzen. Der vom Straßenbauamt ausgewiesene Korridor aber verlaufe mitten durch den Naturpark Elbufer-Drawehn. Dieses wunderschöne Fleckchen Erde dürfe auf keinen Fall dem Transitverkehr durch eine Autobahn ge-opfert werden.

Der VCD-Kreisverband setzt sich strikt gegen einen Autobahnbau durch Lüchow-Dannenberg ein. Man fordert unter anderem den Wiederaufbau der Dömitzer Eisenbahnbrücke, den Erhalt der Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg mit Weiterbau bis Salzwedel und die intelligente Vernetzung der vorhandenen Verkehrsstränge.

»Für uns ist es sehr schlimm und nicht nachvollziehbar, wie die seit Generationen gepflegte Kulturlandschaft auf dem Prüfstand der Ingenieursbüros stehen kann», heißt es in dem Brief an Minister Stolpe. Noch sei es Zeit zu fragen, ob man wirklich den friedlichen Landstrich aufgeben und die Lebensqualität gegen Beton und Abgase eintauschen wolle, so der VCD- Kreisverbandsvorsitzende.

Johannes Heuer stellt in dem Brief die Frage, was der Bau einer Autobahn durch Lüchow-Dannenberg bedeute. Vorurteile verhinderten eine sachliche Diskussion. Die Auseinandersetzung über eine Anbindung des Wendlandes an das überregionale Straßennetz seien von psychologischen Hemmnissen überlagert. Es sei eine Ideologiediskussion über Werte in der heutigen Industriegesellschaft in der Spanne zwischen Wachstumswahn und Steinzeitdenken.

Der Wert des Alltäglichen in Lüchow-Dannenberg werde nicht als Wert erkannt, bedauert der Vorsitzende: »Die Industrie verlagert ihre Produktionen in Billiglohnländer. Besonders gut sehen kann man das in dem gut erschlossenen Ruhrgebiet. Kann man immer mehr produzieren, auch wenn kein Bedarf vorhanden ist? Und liegen hier die Chancen für den Landkreis?» Oder werde nur eine Transitstrecke geplant, um noch mehr Güter auf die Straße zu holen und die Wege in die Billiglohnländer zu verkürzen?

Viele Entwicklungen seien am Landkreis vorbeigegangen, weiß Johannes Heuer. Doch eine Autobahn könne nun wirklich nicht alle wirtschaftlichen Probleme dieser Region lösen. »Rückt der Markt durch den Bau einer Autobahn auch nur einen Kilometer näher an Lüchow-Dannenberg heran oder stammt der Wunsch nach einer Autobahn letztlich aus einem Minderwertigkeitsgefühl einiger Mitmenschen, in einer Region leben zu müssen die keinen Autobahnanschluss hat?»


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