Ist Facebook ein virtuelles Poesiealbum?
Darf Elisa die Partyfotos auf ihrer Facebook-Seite zur Schau stellen? Und könnte sie ein Foto ihrer Lieblingssängerin oder ein Gedicht, beispielsweise eines Komikers, hier zeigen?
"Nein, darf sie nicht so ohne weiteres", betonte Christian Solmecke beim medienpolitischen Forum im Lenneper Röntgen-Museum. Anhand der Facebook-Seite seiner Nichte Elisa machte der Rechtsanwalt anschaulich klar, dass es sich bei den "Normalnutzern" noch nicht rumgesprochen hat, was da alles nicht erlaubt ist. Vor Abmahnungen schützt das allerdings nicht."
Müssen wir Grund- und Freiheitsrechte einschränken, um Urheberrechtsverletzungen zu bekämpfen?" - diese Frage hatte der Landtagsabgeordnete Sven Wolf Dienstagabend in den Mittelpunkt gestellt. Nicht zuletzt deshalb, weil kürzlich auch viele Remscheider von Abmahnungen betroffen waren, während zur gleichen Zeit in Deutschland und vielen anderen Staaten der EU heftig über das Handelsabkommen zur Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie diskutiert wird. Wolf hatte Christian Solmecke, der sich vor allem mit den Rechtsfragen in Sozialen Netzen beschäftigt, und den Informatiker Henning Tillmann eingeladen.
Die beiden Experten schilderten die politischen und rechtlichen Dimensionen. Und waren sich einig: "Im privaten Bereich müsste möglich sein, was früher in den Poesiealben, später hießen sie Freundschaftsbücher, auch möglich war. Da haben wir auch etwas ausgeschnitten und eingeklebt. Heute wird nichts anderes gemacht. Nur eben im Internet."
Henning Tillmann bezweifelt, dass das deutsche Urheberrecht noch im Sinne der Künstler, also der Urheber ist. "Haben die wirklich Nachteile oder wollen uns das gewisse Leute nur einreden?", stellte er zur Diskussion. Und bezweifelte zudem, dass die Aussage "Raubkopierer sind Verbrecher" heute noch zutrifft. Wie man denn Regeln über diese Rechte lernen könnte, wollte ein Zuhörer wissen. Die Medienerziehung in den Schulen müsse fortschreiten. Aber dass es so hart zugeht, das müsse nicht sein, so die Experten.