Wermelskirchen
Mittwoch, der 19. Juni 2013


Noch mal Lernen lernen

Mit 42 Jahren richtet Heidi Lilischkies ihr Leben nochmal neu aus. Die zweifache Mutter drückte die Schulbank, machte ihren Meister und eröffnet an der Eich 26 einen eigenen Friseursalon. Ihre 19 Kollegen auf der Meisterschule der Friseurinnung in Köln waren zwischen 22 und 35 Jahre alt.

Salon Eröffnung Durch die Bank jünger als sie, wie die Dozenten auch. Die Existenzgründerin räumt ein, dass die Umstellung schwer fiel: "Ich musste noch mal Lernen lernen. Und lernen, wieder acht Stunden am Stück in der Schule zu sitzen." Lohn der Mühe: Als Jahrgangsbeste absolvierte sie den praktischen Prüfungsteil. Von April bis November 2011 erwarb Heidi Lilischkies im Ganztagsunterricht das Rüstzeug für ihre Selbstständigkeit. Ein Schritt, der ohne günstige familiäre Umstände kaum möglich gewesen wäre. Sohn Jan (18) und Tochter Anna (15) sind in einem Alter, in dem die Mama daheim in Löh nur noch begrenzt präsent sein muss.

Der Gedanke an ein eigenes Geschäft in ihrem Traumberuf kam "einfach so", sagt sie, in jedem Fall kurz nach ihrem 41. Geburtstag. Kurzentschlossen füllte sie die Innungs-Unterlagen für die Anmeldung aus. "Zwei Tage später hatte ich die Zusage im Briefkasten", stellte die Haarschneiderin fast erschrocken fest. Von da an gab es kein Zurück mehr. Unterstützt von Ehemann Stefan, der selbst seinen Meister (Industrie) gemacht hat, erklimmt Lilischkies nach 25 Berufsjahren die höchste Stufe. In Dabringhausen war sie als Friseurin ausgebildet worden, hatte in dem Salon später eine volle Stelle, diese aber wegen der Kinder auf 400-Euro-Basis zurückgefahren.

Nun greift die begeisterte Karnevalistin ("Noch Löher bei Kölle") mit Vollgas an. Die Standortfrage klärte sich, als Heidi Lilischkies erfuhr, dass Carina Mischker die "Hair Lounge No. 26" aufgibt. Weil der Salon direkt an der Kreuzung Eich/Dabringhauser Straße liegt, taufte ihn die Jung-Unternehmerin doppeldeutig "Schnittstelle". Derzeit wird renoviert. Sechs Stühle warten auf die Kundschaft. Möbel hat die frisch gebackene Meisterin von der Vorgängerin übernommen, Böden und Wände in dem 118 Quadratmeter großen Areal werden neu gestaltet.

"Modern, ansprechend und gemütlich" soll es sein, sagt die Chefin. Mit zwei Mitarbeiterinnen nimmt sie den Betrieb auf. Vanessa Jähnsch ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr, Anke Truss wird mit einer halben Stelle festangestellt sein. Spätere Aufstockung nicht ausgeschlossen. "Es muss sich entwickeln", setzt Heidi Lilischkies auf einen Beginn mit Augenmaß.

Am Samstag, 10. März (11 Uhr), feiert die Schnittstelle" ihre Eröffnung. Der Salon hat dienstags bis freitags 9 bis 18 Uhr, donnerstags 9 bis 20 Uhr und samstags 8 bis 14 Uhr auf; 885 745: drei Parkplätze befinden sich hinter dem Haus.

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